Darmsanierung – Gesundheitsfaktor

KRANKHEITSVERURSACHER DARM – Darmsanierung als Basis für Gesundheit

Aufgabe des Microbioms

Aufgabe des Darms und der Darmflora (heute eher Microbiom genannt) ist unter anderem mitzuhelfen, die aufgenommene Nahrung zu zerkleinern, diese aufzunehmen und entstehenden nichtbenötigten Abfall zu entsorgen. An diesem Prozess ist von ein Heer an Mikroorganismen beteiligt. Nach neueren Forschungen beherbergt der Darm ca. 1,1 – 1,3-mal soviel Bakterien wie der Mensch Körperzellen besitzt. Medizinisch gesehen ist das Darminnere eine „äußerliche“ Oberfläche und hat deswegen intensiven Kontakt mit der Umwelt des Menschen. Fast alles, was von dieser in uns eindringt, muss seinen Weg über eine Schleimhautbarriere ins Körperinnere beschreiten. Im Organ Darm stehen hierfür ca. 400 – 500 m² Resorptionsfläche zur Verfügung.

Darmkeime

Darmkeime können sich in kurzen Intervallen von etwa 25 Minuten rasend schnell vermehren. Die Keimdichte nimmt vom Magen bis zum Anus hin zu und erreicht im Dickdarm ihre höchste Konzentration. Das Zusammenleben der Keime unterliegt strengen Regeln, biochemischen Prozessen und reagiert sehr sensibel auf Eingriffe von außen. Störfaktoren können das labile Gleichgewicht empfindlich stören und in letzter Konsequenz (chronische) Darmerkrankungen (Reizdarm, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, chronisch entzündliche Darmerkrankungen) auslösen.

Ein Microbiom entwickelt sich über Jahre hinweg und besitzt eine ganz individuelle Zusammensetzung. Bei der Geburt erhält das Neugeborene während der Passage durch den Geburtskanal der Mutter quasi eine erste „Impfung“ mit Keimen als Grundlage zum Aufbau seiner eigenen gesunden Darmflora. Diese Entwicklung ist in einem Alter von ca. 2 Jahren nahezu abgeschlossen. Jetzt hat sich das Microbiom im Idealfall fast vollständig stabilisiert.

Es bleibt bis zum Seniorenalter eigentlich nahezu unverändert, es sein denn äußere Umstände, Stress und medizinische Eingriffe (wie z.B. Antibiotika) stören das labile Gleichgewicht im Darminneren. Dann kann es zu Veränderungen kommen, welche sich nicht von selbst wieder „beheben“. Erst in der späten Lebensphase verändert sich das Microbiom sich wieder deutlicher in seiner Zusammensetzung (z.B. pH-Wert ↑, Bifidobakterien ↓).

Mögliche Symptome einer Darmstörung

  • Oft kein Gefühl in den Händen?
  • Schmerzen im Rücken, Schenkeln und Schultern?
  • Brennendes Gefühl im Magen?
  • Gewichtsprobleme (↓ und ↑)?
  • Speicheln im Schlaf?
  • Juckreiz in Ohren, Nase oder im Bereich des Anus?
  • Vergesslichkeit oder kein klares Denken?
  • Lustlos, matt – ohne erkennbare Ursache?
  • Erhöhte Herzfrequenz, Herz- oder Nabelschmerz?
  • Menstruationsprobleme, Erektionsprobleme?

Die genannten Symptome können einzeln oder kombiniert auftreten, und für jedes einzelne lassen sich mit Sicherheit mehrere andersartige medizinische Begründungen finden. Der Darm muss also nicht die alleinige Ursache sein – dies sollte immer bedacht werden. Eine gute Anamnese und ausführliche Diagnostik sind deswegen von immenser Bedeutung.

Den oben genannten Symptomen wird anfangs nicht die Bedeutung zugemessen, die sie verdienen. Würde man bei ursächlichen Darmstörungen in einer recht frühen Phase eingreifen, dann könnte dies sehr wahrscheinlich eine Therapievereinfachung bedeuten. Doch da viele Beschwerden nicht unbedingt im verursachenden Darm lokalisiert sind und ein gestörtes Microbiom erst sehr spät sich in Form hochgradiger und akuter Beschwerden als zu behandelndes Zielorgan „outet“, zielen die meisten Therapeuten erst einmal darauf ab, die Beschwerden des Patienten einer syptombezogenen Behandlung unterziehen. So vergeht einige Zeit und eine kausale Behandlung findet unter Umständen erst statt, wenn sich die vormals leichten Beschwerden zu echten Krankheiten ausgewachsen haben. Es gilt, an den Ursachen anzusetzen, welche ein Microbiom zum Kippen bringen können oder gebracht haben. Und diese können in der Tat vielfältig sein.

Störfaktoren für das Microbiom

Störfaktoren von außen wie von innen können die Zusammensetzung der Microbioms empfindlich verändern: Medikamente, organische Defizite, Darmentzündungen und -infektionen, chemische Verbindungen, Giftstoffe aus der Nahrung, hormonelle Dysbalancen, falsche Ernährung, Schwermetallbelastungen, Nahrungsmittelintoleranzen und natürlich viele andere Faktoren mehr können das geordnete Miteinander der Mikroben im Darm massiv beeinträchtigen und zu ausgeprägten Funktionsstörungen und (chronischen) Darmkrankheiten und Darmentzündungen führen. In aller Regel gewinnen alsdann schädliche Darmkeime die Oberhand und beginnen ihr unheilvolles Wirken. Das Ergebnis sind Darmbeschwerden verschiedenster Art – von einfachen Blähungen bis hin zu schweren chronischen – auch darmfernen – Erkrankungen, wofür man nicht bedingt eine gekippte Darmflora als Ursache verantwortlich macht.

Am bekanntesten sind entzündliche Erkrankungen des Darms wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und Reizdarm. Aber auch „darmfremde“ Krankheiten wie Hautprobleme, (z.B. Neurodermitis, Psoriasis, Ekzeme u.a.m), psychische Entgleisungen verschiedenster Arten, Sensitivität auf Umweltstoffe und Umweltgifte und organische Defizite (z.B. Leberstörungen, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse), hormonelle Dysbalancen und viele andere gesundheitliche Schwierigkeiten können mit einer gestörten Darmfunktion zusammenhängen. Nicht zu vergessen sind Schwermetalle, welche auf zellulärer Ebene Entzündungen auslösen können.

Ein Hauptfaktor: Stress

Stress jeglicher Art kann das Microbiom negativ verändern – und nicht nur dieses. Stress verändert die Dicke der Schleimhaut des Darms und reduziert die Anzahl Schleim produzierender Zellen im Darm sowie Milchsäure produzierender Keime. Dadurch werden die Aufnahme und auch Wanderung toxischer Stoffe und Mikroben durch die Darmwand in den Blutstrom ermöglicht. Dieser Prozess ist mit der Entstehung von (niedrigschwelligen) Entzündungen im Darm verknüpft, welche im Darm lange Zeit kein Schmerzempfinden hervorrufen. Doch diese niedrigschwelligen Entzündungen sind das System eines: DAUERSTRESS. Und diesen muss er 24 Stunden am Tag bekämpfen!

Der Organismus muss bei Stresszuständen die Ausschüttung von Hormonen anpassen, um sich „wehren“ zu können und den Schaden möglichst zu minimieren. Er steigert dazu die Ausschüttung von Cortisol, dem bedeutendsten Stresshormon des Organismus, was auch die Sekretion weiterer Stresshormone aus der Nebenniere nach sich zieht. Ist der Stress nur kurzzeitig, kann sich das System von selbst wieder einregeln, kontinuiert der Stress aber über längere Zeit, wird die Regelung des gesamten Hormonsystems wahrscheinlich in Mitleidenschaft gezogen – und mit ihm die Befindlichkeit des Betroffenen. Dann können beispielsweise die Geschlechtshormone auffällig werden, Gewicht und Blutdruck beginnen eventuell ohne Änderung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten anzusteigen, das Immunsystem arbeitet unter Umständen schlechter, die Haut kann schneller altern und Falten entwickeln und viele andere Symptome mehr können entstehen. In die Kategorie einer erhöhten Stressbelastung gehören auch starke körperliche (Dauer-)Belastungen. Es gibt immer wieder Fälle, in denen Patienten berichten, dass sie nach einer intensiven körperlichen Belastung nicht mehr „auf die Beine gekommen“ sind.

Stress, Schlaf, Psyche, Darm und der Botenstoff Serotonin

Welche Auswirkungen und Folgeerkrankungen selten mit dem Darm in Verbindung gebracht werden, ist das Erscheinen psychischer Störungen (Depressionen, Schizophrenie, Autismus, ADHS, ADS u.a.m). Die Ursache liegt in vielen Fällen in einem gestörten Microbiom. Hängt die steigende Anzahl psychischer Erkrankungen eventuell mit dem allgemein gestiegenen Stress körperlicher und psychischer Art zusammen, weil dies einen negativen Einfluss auf die Botenstoffbildung zur Folge hat? Denkbar wäre es schon, denn es gibt klare Zusammenhänge.

Bei starker Stressbelastung ist die erste Stufe eine Verminderung der Anzahl der Darmbakterien, schleimproduzierenden Zellen und auch Milchsäure produzierenden Keime. Über die daraus entstehenden Schädigungen der Darmschleimhaut entstehen z.B. niedrigschwellige Entzündungen, auf welche der Organismus mit der Ausschüttung von Signalstoffen des Immunsystems reagiert (z.B. Interferon-Gamma u.a.m.), welche das Enzym IDO (Indolamin-2,3-Dioxygenase) aktivieren, welches die Umwandlung der essentiellen Aminosäure L-Tryptophan in Serotonin herabsetzt. Dies besitzt tragische Konsequenzen, denn Serotonin ist DER Botenstoff des Gehirns, der eine ausgeglichene Psyche ermöglicht und stabilisiert. Serotoninmangel bedeutet, in psychische Probleme abgleiten zu können. Anstatt einer Umwandlung in Serotonin wird L-Tryptophan in Kynurenin umgewandelt, welches zu weiteren Entzündungen führen kann. Aber der so entstandene Serotonin-Mangel beeinträchtigt eventuell neben der Psyche auch den Schlaf, weil zu wenig Serotonin im Melatonin, dem Schlafhormon, verstoffwechselt werden kann. In diesem Fall besitzt auch eine Substituierung von L-Tryptophan nur schlechte Erfolgsaussichten – eben weil die Umwandlung in das Glückshormon Serotonin stark eingeschränkt ist.

Darmentzündungen

Entzündungen im Darm sind immer mit Toxinbildung verbunden. Toxine, welche nicht direkt vom Darm ausgeschieden werden, müssen den Weg über die Leber gehen und stellen auf Dauer eine enorme Belastung dar. Schwermetalle scheinen einen besonderen Bezug zu Pilzen (Candida) zu haben (diese können Schwermetalle in sich aufnehmen und bei Zerfall wieder freisetzen!!!), aber sie stören auch die erste der beiden Entgiftungsphasen in der Leber, wodurch das Entgiftungssystem der Leber an den Rand der Kapitulation gedrängt werden kann. Die Leber als größtes Entgiftungsorgan ist eventuell durch die bakterielle Toxinbelastung und andere Stoffe schon ausreichend belastet. Nun stößt sie aufgrund einer enormen Toxinanflutung an ihre Grenzen und leidet still. Der Schrei der Leber nach Hilfe ist die Müdigkeit. Dies ist nur ein Beispiel, wie die Noxe Darm Organfunktionen und Körperfunktionen stören kann.

Organsysteme und Microbiom

Der Darm beeinflusst praktisch alle Körpersysteme und Körperprozesse: z.B. Muskeln und Gelenke, Nieren, Gehirn, hormonale Regelkreise, Blutgefäße, Blut und Lymphe, Leber, Galle und Pancreas. Interessanterweise sendet der Darm das Gros an Informationen nach oben in Richtung Gehirn. Die „Masse“ an Informationen wird nicht vom Gehirn zum Darm ausgesandt, wie man meinen könnte. Ist der Darm in Unordnung, gerät daher auch das Oben auch in Unordnung und führt über eine negative Beeinträchtigung der Selbstregulation zu Beschwerden und gesundheitlichen Störungen. Und diese beheben sich nur in den seltensten Fällen von selbst.

In aller Regel erfolgt aufgrund des Nichterkennens der Ursache Darmflora eine Behandlung gestörter Organe und Organfunktionen mittels verschiedener Medikamente und Heilmittel, welche die Symptome lindern oder im besten Falle beseitigen. Setzt man die erfolgreiche Medikation wieder ab, können unter Umständen die alten Beschwerden schnell wieder erscheinen – ein Beweis dafür, dass wahrscheinlich nicht die Ursache therapiert wurde. Eine ursächliche Therapie wäre eventuell eine Darmsanierung – doch, soviel vorweg, hierfür scheint die Gabe einiger probiotischer Keime oft nicht zu genügen.

Darmkeime – gute und schlechte

Es gibt „gute“ und „schlechte“ Keime im Darm. Durch ein sehr fein austariertes Kontrollsystem ist es dem Organismus möglich, die für die Gesundheit erforderliche Balance der verschiedenen Keime untereinander zu erhalten. Verdauungsprobleme, Antibiotika, eine einseitige Ernährung, Stress, Kontakt mit Giftstoffen u.a.m. können das Milieu zum Negativen hin veränderen und erlauben eine Fehlbesiedelung mit schlechten Keimen. Diese versuchen mit aller Macht, sich gegen die angeborenen und erworbenen Abwehrmechanismen des Organismus innerhalb des Darmmilieus zur Wehr zu setzen und das eigene Überleben zu sichern.

Im Microbiom geht es zu wie in einer Großstadt. Es gibt die Guten und Schlechten, es gibt aber auch Keime welche erst durch ein schlechtes Umfeld zu den Schlechten werden. Das Zusammenleben ist über klar definierte Mechanismen kontrolliert und  definiert, aber nicht immer siegen auch im Darm die Guten. Es ist ein immerwährendes Hauen und Stechen. Im schlimmsten Fall geht es so weit, dass das System erkrankt (z.B. entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Reizdarm, Blähungen, hormonelle Störungen u.a.m.) und sich am Ende selbst zu Fall bringt, weil es unheilbar erkrankt ist. Dies hat viel damit zu tun, dass viele Keime im Darm wehrhafte Genossen sind und ab einem bestimmten Moment immun gegen Angriffe sein können.

Virulente Faktoren

Um ihr eigenes Überleben zu sichern, bilden Darmmikroben z.B. Enzyme im äußeren Rand ihrer Zellhülle aus, welche die Abwehrstrategien des Organismus ins Leere laufen lassen. Um dies zu erreichen, „fressen“ sie beispielsweise Eisen oder Zink, bilden Ammoniak (ist basisch) zur Ausschaltung der Säureabwehr und inaktivieren Wasserstoffperoxid oder Abwehreiweiße. Diese fünf Abwehrtechniken werden als Virulente Faktoren bezeichnet. Sie stellen eine Verkomplizierung der Therapie dar und führen immer zu (niedrigschwelligen) Entzündungen im Darm (es muss kein Leidensdruck im Darm vorhanden sein).

Der VF Gelatinase z.B. entzieht dem Speisebrei Zink, wodurch sich die enge Verbindung der Darmzellen zueinander lockert, wodurch Darmkeime, körperfremde Stoffe und Toxine leichter die Barriere Schleimhaut überwinden und den Weg ins Blut finden (= leaky gut). Dies bedeutet für das menschliche Immunsystem Dauerstress – und irgendwann kann dies zu einem ausgeprägtem Versagen führen. Betroffene werden dann von häufigen und wiederkehrenden Entzündungen heimgesucht. Eine Verabreichung antibiotischer Medikamente ist dann oft notwendig und stoppt die Infektion, aber sie therapiert nicht die mögliche Ursache Darmstörung.

Entzündungsparameter

Über das Entzündungsstadium, in dem sich der Betroffene aktuell befindet, geben verschiedene Entzündungsparameter Auskunft. Diese steigen in entsprechenden Phasen an und können sich bei einer Besserung der Verhältnisse im Darm wieder normalisieren. Bleibt eine (niedrigschwellige) Entzündung jedoch bestehen oder wird noch schlimmer, kann es sein, dass sich ein Entzündungsmarker erschöpft und ein anderer dessen Aufgabe der Bekämpfung der Entzündung übernimmt. Dann kann beispielsweise eine Entzündung in ein chronisches Stadium übergehen. Je nachdem, welcher Entzündungsparameter erhöht oder erniedrigt ist, kann man sagen, ob die Darmentzündungen am Anfang stehen oder in die Chronizität übergehen / übergegangen sind. Auch erlauben die Entündungswerde eine Interpretation, ob die Schleimhaut des Darms gelitten hat. Über letzten Punkt gibt beispielsweise ein erhöhter Alpha-1-Antitrypsin-Wert Auskunft ( = leaky gut).

Leaky gut

Beim leaky gut sind die Darmzellen nicht mehr ganz eng miteinander verbunden. Die diese verbindenden Elemente, die tight junctions, können ihrer Funktion nicht mehr richtig nachkommen und es entsteht zwischen den einzelnen Epithelzellen quasi ein kleiner Zwischenraum, welcher Keimen, Toxinen und anderen Stoffen, die eigentlich nichts im Blut zu suchen haben, die Passage ins Körperinnere ermöglicht und das Immunsystem alarmiert / aktiviert. Die Barrierefunktion des Darms ist verloren gegangen und es rentstehen gesundheitliche Störungen. Der Körper versucht, sich über Entzündungsreaktionen und Antikörperproduktion dieser Stoffe und Probleme zu entledigen. Somit ist Allergien, Asthma (u.a. Neurodermitis) und auch Autoimmunprozessen (Rheuma, Hashimoto, Lupus, Psoriasis, Vitiligo u.a.m.) Tür und Tor geöffnet. Im Blutserum kann auch der Zonulin-Test einen Hinweis auf ein leaky gut geben, denn er gibt Auskunft darüber, wie gut oder schlecht die tight junctions arbeiten. Erhöhtes Alpha-1-Antitrypsin ist ebenfalls ein Zeichen für ein leaky gut, kann sich aber in einem späten Entzündungsstadium auf einen Normwert erschöpfen.

Histamin

Echerichia coli
Das Bakterium Escherichia coli (E. coli) ist ein Keim, welcher natürlicherweise im menschlichen Darm angesiedelt ist. Er gehört zu den sauerstoffverbrauchenden Keimen. Ist er in zu geringer Anzahl vorhanden, kann das in entfernteren Darmabschnitten ein für das Milieu zu hohes und ungünstiges Angebot an Sauerstoff zur Folge haben. Ist seine Population übermäßig vermehrt, können sich histaminähnliche Symptome zeigen, denn E. coli gehört zu den Histaminproduzenten.

Viele Darmkeime, nicht nur die schlechten, produzieren Histamin, welches für viele Unverträglichkeitsreaktionen und allergische Beschwerden jeglicher Art verantwortlich gemacht wird. Histaminbedingte Symptome des Verdauungstraktes sind u.a.: Übelkeit, Bauchschmerzen (auch krampfhaft), Blähungen, Durchfall. Bleibt bei konsequenter Durchführung einer Nahrungsmittelkarenz der in Frage kommenden Lebensmittel eine Verbesserung der Beschwerdesymptomatik aus, sollte eine bakteriell bedingte Histaminproblematik ins Auge gefasst werden. Ein sehr potenter Histaminlieferant ist z.B. Helicobacter pylori, welcher sich gerne im Magen aufhält und sich über die Bildung von basischem Ammoniak vor der Magensäure zu schützen weiß.

Medikamente können eventuell dazu beitragen, das Milieu im Magen „Helicobacter-gerecht“ zu verändern. Dies sind vor allem Säureblocker und Natriumbicarbonat. Magenschleimhaut schützende Säureblocker sollten nur nach sorgfältiger Diagnose eingesetzt werden, denn sie greifen durch eine verminderte Magensäurefreisetzung massiv in die Regelung vieler Verdauungsmechanismen ein. Dies betrifft nicht nur Verdauungsprozesse im Magen sondern auch die Verstoffwechselung und Toxinproduktion in ferneren Darmabschnitten. Gleiches gilt für eine orale Gabe von Natriumbicarbonat, denn auch dieses führt zu einer ähnlichen Veränderung in der Regelung fein aufeinander abgestimmter Verdauungsprozesse – im Magen wie Darm. Weiter gibt es Lebensmittel und Medikamente, welche Histamin freisetzen.

Problem Biofilm

Bei einer Darmsanierung ist es meist nicht damit getan, gute Darmkeime über eine gewisse Zeit einzunehmen, denn schlechte Darmbakterien bedienen sich eines weiteren besonderen Kniffs, um den Erhalt ihrer Population zu sichern. Sie bilden um sich herum eine schützende Schleimschicht aus, in der sie so sicher sind wie der Ritter in seiner Burg. In diesen Schutzmantel (extrazelluläre Matrix oder Glycocalyx) nehmen sie andere Mikroben auf und „impfen“ diese genetisch mit ihrem erfolgreichem Abwehrverhalten, sodass diese gänzlich andere Eigenschaften entwickeln als ihre „freilebenden“ Artgenossen.

Die Keime unter einem Biofilm sind widerstandsfähiger, vermehren sich etwas langsamer und entwickeln Stresstoleranzmechanismen gegen für sie toxische Substanzen und auch Antibiotika, welche in den Biofilm eindringen. Über die Ausbildung dieser sogenannten virulenten Faktoren entziehen sie sich den erworbenen und angeborenen Abwehrmechanismen, indem sie spezielle Abwehrenzyme ausbilden. Da Mikroorganismen schnell eine neue Generation entwickeln, ist es schwierig ein “falsch programmiertes“ Microbiom nur durch den Einsatz von Antibiotika und probiotischen Stämmen zu verbessern und stabilisieren.

Probiotika erzielen aus diesem Grund bei Darmsanierungen anfangs eine Verbesserung (solange sie eingenommen werden und kurze Zeit darüber hinaus), aber auf Dauer nicht unbedingt den durchschlagenden Erfolg, eben weil diese „Brandnester“ mit ihren virulenten Faktoren nicht ausradiert werden können. Wird die Einnahme der Probiotika ohne Eradikation der Nester eingestellt, kann sich das alte Milieu wieder einstellen und das Microbiom wieder kippen.

Durchführung Darmsanierung

Obige Zeilen lassen erahnen, dass eine Darmsanierung mit Einnahme einiger Packungen probiotischer Keime nicht unbedingt zum Erfolg führt. Zwingend notwendig ist eine Veränderung des Milieus im Darm, was neben der Eradikation der (virulenten) Keime auch eine gesunde Ernährung mit einschließt. Ein guter pH-Wert im Darm ist maßgeblich verantwortlich für die Zusammensetzung des Microbioms und dessen Gesundung.

Die eigentliche Therapie einer Darmsanierung nach vorausgegangenen Diagnosetests kann beispielsweise so umrissen werden:

 

Phase I Grundregulation: Organismus fördern, Dauer ca.7 KW (Kalenderwochen).
Phase II Analyse verschiedener Stoffwechselparameter und deren Regulation, Dauer ca. 7 KW
Phase III Vorbereitung der eigentlichen Darmsanierung Dauer: ca. 2KW
Phase IV Eradikation der Fehlbesiedelung, Dauer ca. 2 KW
Phase V Rekolonisationsphase, Dauer ca. 2 KW
Phase VI Immunitätstraining, Dauer ca. 4 KW
Phase VII Stabilisierungsphase, Dauer ca. 6 KW

Dazwischen: Erfolgskontrolle wichtiger Therapieabschnitte wird mit einem Kontrolltest.

Die angegebenen Zeitspannen pro Behandlungsphase sind nur ungefähre Angaben. Die einzelnen Phasen gehen teilweise ineinander über.

Wichtig ist, vor dem Start der Ausrottung der schlechten Keime die Ausscheidungsorgane in ihrer Funktion zu stärken, denn bei der Darmsanierung fallen durch die Zerstörung schlechter Keime zusätzlich Toxine an, welche den Organismus überfordern und zu Heilkrisen führen können.

Danach beginnt die Phase, in der sich der Betroffene weiter um seine Gesundheitszentrale Darm kümmern sollte. Dies schließt eine Veränderung aller oben aufgeführter darmschädigender Faktoren mit ein. Diese Aufgabe umfasst schlicht und ergreifend: Lifestile-Änderung – in jeder Beziehung.

 

 Gesund ist man erst, wenn man wieder tun darf, was einem schadet.

Karl Kraus