Kiefergelenksprobleme

Das stomatognathe System und Kiefergelenksprobleme als großer Störfaktor der Gesundheit

(Stom­a­tolo­gie = Lehre von den Krankheit­en der Mund­höh­le, gnathos (alt­griechisch) = Kinnbacke;)

Verän­derun­gen im Sys­tem Zähne, Kiefer, Mund und Kiefer­ge­lenk (stom­atog­nathes Sys­tem) kön­nen sich auf die Stel­lung des orthopädis­chen Sys­tems (Beine, Beck­en, Wirbel­säule) auswirken; umgekehrt kann beispiel­sweise eine ver­schobene Hal­swirbel­säule oder ein fehl ste­hen­des Beck­en die Stel­lung von Ober- und Unterkiefer bee­in­flussen. Das falsche Zusam­men­spiel dieser bei­den Einzel-Sys­tem-Kom­po­nen­ten kann das Gesamt-Sys­tem “Men­sch” so stark stören, dass chro­nis­che Schmerzen auf­grund eines falschen Biss­es mit gle­ichzeit­iger Fehlhal­tung im kör­per­lichen Bere­ich auftreten.

Das Resul­tat: Muskuläre Hyper­ak­tiv­ität mit starken Verkramp­fun­gen führt zu (äußerst) schmerzhaften Zustän­den, die allen Behand­lungs­maß­nah­men — sowohl phar­makol­o­gis­ch­er wie auch manueller Art — trotzen und Schmerz­pa­tien­ten fast zum Wahnsinn treiben. Betrof­fene brin­gen eine wahre (und oft teure) Ther­a­peuten-Odyssee hin­ter sich auf der Suche nach Hil­fe und etwas Lin­derung. In ein­er ganzheitlichen Ther­a­pie wird diese gegen­seit­ige Bee­in­flus­sung berück­sichtigt, da ein Fehl­stand des Knochenap­pa­rates im unteren Bere­ich Auswirkun­gen bis ganz oben haben MUSS:

Harte Hirnhaut und RückenmarkDie anatomische Zeichnung von Gray zeigt die aufgeschnittene dura mater und die von ihr geschützten Nerven.

Harte Hirn­haut und Rück­en­mark
Die anatomis­che Zeich­nung von Gray zeigt die aufgeschnit­tene dura mater und die von ihr geschützten Ner­ven.

Die Aufrechter­hal­tung der Kör­per­sta­tik ver­mag unser Kör­p­er nur mit Muskelkraft zu bew­erk­stel­li­gen, aber die (Über)Anstrengung der Musku­latur dient kein­er Bewe­gung, son­dern wird nur einge­set­zt, um eine orthopädis­che Fehlstände auszu­gle­ichen — über eine sehr lange Zeit am Tag, was zu dauer­haften muskulären Verkramp­fun­gen führt. Doch warum hat oben beschriebene Zus­tand einen Ein­fluss auf den Biss und auf das stom­atog­nathe Sys­tem? Die Musku­latur, welche den Unterkiefer bewegt, ist unter anderem am Zun­gen­bein aufge­hängt, wodurch der Unterkiefer in sein­er Posi­tion bee­in­flusst wird. Aber auch die Musku­latur der gesamten Hal­swirbel­säule hat auf die Kiefer­stel­lung großen Ein­fluss, ist sie doch am Öff­nen und Schließen des Kiefers fast voll­ständig beteiligt. Verän­derun­gen der Lage einzel­ner Wirbel ziehen Verän­derun­gen im Tonus der Musku­latur nach sich, wodurch ein kor­rek­ter Zahnkon­takt gestört wer­den kann. Dies zeigt ein ein­fach­er Ver­such: Leichte Seit­nei­gung des Kopfes lässt die Zähne auf der Seit­nei­gungs­seite schneller Kon­takt zueinan­der aufnehmen als auf der Gegen­seite. Eben­so wird sich der Zahnkon­takt beim Beu­gen des Kopfes nach vorne oder nach hin­ten verän­dern.

Jet­zt wird klar, warum bei Fehlstän­den von Beinen, Beck­en, Wirbel­säu­len­ab­schnit­ten oder einzel­nen Wirbel­block­aden sich Verän­derun­gen im Biss/Zahnkontakt zeigen. Die Verän­derung der Posi­tion zieht Verspan­nun­gen bis in die Halsmusku­latur nach sich und die Verspan­nun­gen ver­hin­dern gle­ichzeit­i­gen Zahnkon­takt. Doch lei­der kann die Neg­a­tivbee­in­flus­sung auch umgekehrt wirken: Ein schlechter Biss/Zahnkontakt kann die Sta­tik von Wirbel­säule und Beck­en verän­dern. Die harte Hirn­haut (dura mater) erstreckt sich vom Gehirn bis in den unter­sten Teil des Wirbelka­nals bis unge­fähr zum 2.–3. Kreuzbein­wirbel. Sie bildet eine Schutzkapsel für das Gehirn (dura mater encephali) und set­zt sich aus einem äußeren und inneren Blatt, die durch das Cavum epidu­rale (=Hohlraum) getren­nt sind. Die Dura mater schützt somit empfind­liche ner­vale Struk­turen vor schädi­gen­den Ein­flüssen. Sie hat ihren Namen auf­grund ihrer harten Eigen­schaft erhal­ten. Diese Fes­tigkeit der Dura mater führt dazu, dass Verän­derun­gen im orthopädis­chen Sys­tem im unteren Bere­ich sich nach oben fort­set­zen und in oberen Kör­per­re­gio­nen zu Beschw­er­den führen kön­nen. Natür­lich trifft auch der umgekehrte Fall zu.…. Im Laufe der Jahre kon­nte ich fest­stellen, dass bei eini­gen Patien­ten die Kor­rek­turen — vor allem im Hal­swirbel­säu­len­bere­ich — ein­fach nicht richtig gehal­ten haben. Als Ursache hier­für kon­nte ich meist eine Störung im stom­atog­na­then Sys­tem dafür ver­ant­wortlich machen.

Verän­derun­gen der Zahn­stel­lung bzw. von Ober- und Unterkiefer zueinan­der kön­nen viele Ursachen haben (Auswahl):

KiefergelenkDas Kiefergelenk liegt neben der Öffnug für den Gehörgang, wie auf dem Bild sehr schön zu sehen ist. Bei Veränderungen des Bisses kann der Knorpel im Kiefergelenk Schaden nehmen und zu massiven Schmerzen führen

Kiefer­ge­lenk
Das Kiefer­ge­lenk liegt neben der Öffnug für den Gehör­gang, wie auf dem Bild sehr schön zu sehen ist. Bei Verän­derun­gen des Biss­es kann der Knor­pel im Kiefer­ge­lenk Schaden nehmen und zu mas­siv­en Schmerzen führen

  • Ver­lust eines oder auch mehrerer Zähne
  • Zah­n­er­satz, der von der Höhe her nicht exakt eingepasst wurde und so ein­seit­ig zu einem ver­früht­en Zahnkon­takt führt
  • Fehlstel­lun­gen im orthopädis­chen Sys­tem der Gelenke, der Beine, des Beck­ens, der Brust­wirbel­säule und Hal­swirbel­säule (incl. Atlas­block­ade)
  • sta­tis­che Verän­derun­gen auf­grund von Trau­ma­ta
  • Fehlstel­lun­gen im Kiefer­ge­lenk
  • Schädi­gun­gen und struk­turelle Verän­derun­gen im Kiefer­ge­lenk
  • Kiefer­orthopädis­che Reg­ulierun­gen
  • Ver­schleiß der Zähne mit der Folge eines ver­früht­en Zahnkon­tak­tes ein- oder bei­d­seit­ig
  • Zah­n­fül­lun­gen
  • Zah­n­er­satz wie Brück­en, Inlay´s, Kro­nen
  • Verän­derun­gen der Knochen­sub­stanz in Kiefer­bere­ich
  • Lockerung der Zähne
  • Abmahlen der Zähne durch nächtlich­es Knirschen
  • Verän­derun­gen des Biss­es durch Knirsch­er­schienen
  • und weit­ere mehr

Obig beschrieben­er, wech­sel­seit­iger Zusam­men­hang hat vor allem bei alter­na­tiv denk­enden und arbei­t­en­den Zah­närztIn­nen Einzug gehal­ten und wird in der Ther­a­pie berück­sichtigt. Da Zah­närzte nor­maler­weise keine manuellen Ther­a­pi­en durch­führen, sind sie auf die Zusam­me­nar­beit mit anderen Beruf­s­grup­pen angewiesen. Im Nor­mal­fall läuft eine Ther­a­pie des stom­atog­na­then und orthopädis­chen Sys­tems fol­gen­der­maßen ab:

  • Diag­nose des Fehlbiss­es und Ver­dacht orthopädis­ch­er Fehlstel­lun­gen
  • Patient geht zur manuellen Behand­lung dieser orthopädis­chen Fehlstel­lun­gen
  • Patient geht nach Abschluss der Kor­rek­tur (entwed­er am gle­ichen Tag oder später) von der Phys­io­ther­a­pie, orthopädis­chen oder Heil­prak­tik­er-Prax­is in die Zah­narzt­prax­is zur Biss­nahme
  • mit­tels Testver­fahren wird hier der opti­male Biss abgenom­men — in dem Zus­tand, in dem sich das Sys­tem (eigentlich ihr stom­atog­nathes und orthopädis­ches Sys­tem!) von Patient oder Pati­entin im Augen­blick befind­en
  • nach dem opti­mal getesteten Biss wird eine Schiene gefer­tigt, die vor allem während der Nacht getra­gen wird. Da die Schiene aus durch­sichtigem Kun­st­stoff gefer­tigt ist, ist eine Ver­wen­dung auch während des Tages möglich und für eine schnellere Har­mon­isierung des stom­atog­na­then und orthopädis­chen Sys­tems unbe­d­ingt empfehlenswert.

    BissausgleichNach erfolgter Korrektur von Becken und gesamter Wribelsäule und der Testung des Gesamtsystems wurden Distanzplättchen eingelegt, um den Kiefer in die richtige Stellung zu bringen. Die unterschiedlichen Farben zeigen an, dass rechts und links verschiedene Höhen benötigt werden, um die Kieferlage harmonisch und stressfrei auszurichten, um im Anschluss an die Korrektur die optimale Anpassung der Schiene in der zahnärtlichen Praxis zu ermöglichen. Vielen Dank an meine Freundin Sabine für die Erlaubnis, dieses Bild in meine Website zu aufzunehmen!

    Bis­saus­gle­ich
    Nach erfol­gter Kor­rek­tur von Beck­en und gesamter Wribel­säule und der Tes­tung des Gesamt­sys­tems wur­den Dis­tanz­plättchen ein­gelegt, um den Kiefer in die richtige Stel­lung zu brin­gen. Die unter­schiedlichen Far­ben zeigen an, dass rechts und links ver­schiedene Höhen benötigt wer­den, um die Kiefer­lage har­monisch und stress­frei auszuricht­en, um im Anschluss an die Kor­rek­tur die opti­male Anpas­sung der Schiene in der zah­närtlichen Prax­is zu ermöglichen.
    Vie­len Dank an meine Fre­undin Sabine für die Erlaub­nis, dieses Bild in meine Web­site zu aufzunehmen!

Falls eine dauer­hafte Lösung angestrebt wird, erfol­gt eine Anpas­sung des Zahnkon­tak­tes durch Auf­bau der nöti­gen Zähne. Diese Lösung ist natür­lich sehr teuer und kann für Betrof­fene in Abhängigkeit der notwendi­gen Maß­nah­men eine hohe Lei­dens­fähigkeit erfordern, um den Biss wirk­lich richtig zu kor­rigieren.

Vom Ansatz her klingt das alles ganz gut. Doch wo kön­nen die Schwierigkeit­en liegen? Die Crux liegt in der schnellen Verän­der­lichkeit der men­schlichen Sta­tik, was nichts anderes bedeutet, dass Minuten nach ein­er orthopädisch aus­ge­führten Kor­rek­tur der Kör­p­er in die alte Fehlhal­tung zurück­fall­en kann. Ich schreibe bewusst kann und nicht muss! Die Tück­en das All­t­ags lauern über­all und so passiert es, dass Betrof­fene trotz größter Vor­sicht und Beach­tung aller Ver­hal­tensempfehlun­gen schnell wieder aus dem Lot sind:

Ein­mal Beine übere­inan­der schla­gen reicht, um den Beck­en­schief­s­tand und die Schräg­stel­lung der Wirbel­säule wieder auszulösen

  • Selb­st sich nor­mal zu bewe­gen kann aus­re­ichen, dass der Hal­teap­pa­rat wieder in die alte Posi­tion zurück­fällt
  • Gle­ich­es kann beim Ein­steigen ins Auto passieren
  • Eine Nacht reicht, um eine tags zuvor gelöste Verspan­nung in einem der Wirbel­säu­len­ab­schnitte wieder aufzubauen
  • Ein­mal kräftig Zubeißen reicht, um den Sitz der Hal­swirbel wieder zu verän­dern, wenn ein Fehlbiss vorhan­den ist
  • Eine komis­che Bewe­gung mit dem Kopf reicht aus, um die Stel­lung der Hal­swirbel zueinan­der zu verän­dern

    KiefergelenkAnatomische Zeichnung des Kiefergelenks von Gray. Die Bandscheibe (Articular Disc) kann bei Fehlstellungen des Kiefergelenks sehr leicht Schaden nehmen und zu Beschwerden führen.

    Kiefer­ge­lenk
    Anatomis­che Zeich­nung des Kiefer­ge­lenks von Gray. Die Band­scheibe (Artic­u­lar Disc) kann bei Fehlstel­lun­gen des Kiefer­ge­lenks sehr leicht Schaden nehmen und zu Beschw­er­den führen.

  • Das Tra­gen eines schw­eren Gegen­standes alleine kann schon zur Aufhe­bung der Kor­rek­tur führen usw.

Eine Verän­derung der Sta­tik in Beinen, Beck­en­bere­ich oder den einzel­nen Wirbel­säu­len­ab­schnit­ten zieht mit hoher Wahrschein­lichkeit eine Verän­derung der Stel­lung des Biss­es nach sich. Daher halte ich es für opti­mal und weniger risikobe­haftet, den opti­malen Biss direkt nach dem Aus­gle­ich des orthopädis­chen Sys­tems abzunehmen. Die Erfahrung zeigt, dass in der Regel oben beschriebenes Vorge­hen der sofor­ti­gen Biss­nahme nach erfol­gter orthopädis­ch­er Kor­rek­tur bei etwa 95% der Patien­ten aus­re­icht, um zu guten Ergeb­nis­sen zu kom­men. Betrof­fene bericht­en nach weni­gen Nächt­en oft über eine pos­i­tive Verän­derung bezüglich muskulär­er Verspan­nun­gen der Hal­swirbel­säule und über angenehmeres Erwachen. Des öfteren höre ich von Frauen, “dass ich gle­ich gemerkt habe, dass es passt”.

Es gibt auch Men­schen, welche den Ein­griff in ihr fehlreg­uliertes Sys­tem über län­gere Zeit spüren. Hier bedarf es einiger weit­er­er Kor­rek­turen, bis der Aus­gle­ich erfol­gt. Bei eini­gen Betrof­fe­nen stellt sich nach einiger Zeit der Biss so um, dass die Höhe der Schiene etwas gesenkt wer­den kann. Nach Her­stel­lung des Aus­gle­ichs ste­hen Patien­ten alle Wege zu einem dauer­haft richtigem Zah­n­er­satz offen. Bei Ver­dacht auf Verän­derun­gen im stom­atog­na­then Sys­tem sollte dieses immer auf Irri­ta­tio­nen und Störun­gen über­prüft wer­den. Ein Fehlbiss bee­in­flusst die Sta­tik und eine Fehlsta­tik bee­in­flusst den Biss. Wie oben — so unten. Dies trifft auch auf den Men­schen zu. In der Zwis­chen­zeit kon­nte ich fest­stellen, das “schwierige Ther­a­pie-Fälle”, bei denen ich fast am Verzweifeln war, nach erfol­gter opti­maler Bis­sko­r­rek­tur plöt­zlich einen weit besseren Heilungsver­lauf zeigten. Dies macht Mut, diesen außergewöhn­lichen Aspekt weit­er zu ver­fol­gen. Ich kann Auswirkun­gen von Kiefer­ge­lenksprob­lematiken und das Kor­rek­turin­stru­ment Auf­biss — Schiene nur aus dem Blick­winkel orthopädis­ch­er Fehlstel­lun­gen beleucht­en. Die Fer­ti­gung und Anpas­sung ein­er Schiene ist eine Wis­senschaft für sich,  auss­chließlich Teil der zah­närztlichen Heilkunde und ist ein zeitaufwändi­ger Prozess.

Die Dinge der Welt sind kom­pliziert, sie wer­den von allen möglichen Fak­toren bes­timmt. Man muss die Prob­leme von allen Seit­en betra­cht­en und nicht nur von ein­er einzi­gen.
(MAO ZEDONG )

Wichtig:


Inwieweit ich Fra­gen zu Krankheit­en, deren Ursachen und Ther­a­piean­sätze oder zu mir bekan­nten Ther­a­peuten in Ihrer Wohnort­nähe oder ander­swo beant­worte, lesen Sie bitte unter ANFRAGEN ZU THERAPEUTEN nach.


Ich bedanke mich für Ihr Ver­ständ­nis!

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