Darmsanierung — Gesundheitsfaktor

KRANKHEITSVERURSACHER DARM – Darmsanierung als Basis für Gesundheit

Aufgabe des Microbioms

Auf­gabe des Darms und der Darm­flo­ra (heute eher Micro­biom genan­nt) ist unter anderem mitzuhelfen, die aufgenommene Nahrung zu zerklein­ern, diese aufzunehmen und entste­hen­den nicht­benötigten Abfall zu entsor­gen. An diesem Prozess ist von ein Heer an Mikroor­gan­is­men beteiligt. Nach neueren Forschun­gen beherbergt der Darm ca. 1,1 – 1,3-mal soviel Bak­te­rien wie der Men­sch Kör­perzellen besitzt. Medi­zinisch gese­hen ist das Darmin­nere eine „äußer­liche“ Ober­fläche und hat deswe­gen inten­siv­en Kon­takt mit der Umwelt des Men­schen. Fast alles, was von dieser in uns ein­dringt, muss seinen Weg über eine Schleimhaut­bar­riere ins Kör­perin­nere beschre­it­en. Im Organ Darm ste­hen hier­für ca. 400 – 500 m² Resorp­tions­fläche zur Ver­fü­gung.

Darmkeime

Darmkeime kön­nen sich in kurzen Inter­vallen von etwa 25 Minuten rasend schnell ver­mehren. Die Keimdichte nimmt vom Magen bis zum Anus hin zu und erre­icht im Dick­darm ihre höch­ste Konzen­tra­tion. Das Zusam­men­leben der Keime unter­liegt stren­gen Regeln, bio­chemis­chen Prozessen und reagiert sehr sen­si­bel auf Ein­griffe von außen. Stör­fak­toren kön­nen das labile Gle­ichgewicht empfind­lich stören und in let­zter Kon­se­quenz (chro­nis­che) Darmerkrankun­gen (Reiz­darm, Col­i­tis ulcerosa, Mor­bus Crohn, chro­nisch entzündliche Darmerkrankun­gen) aus­lösen.

Ein Micro­biom entwick­elt sich über Jahre hin­weg und besitzt eine ganz indi­vidu­elle Zusam­menset­zung. Bei der Geburt erhält das Neuge­borene während der Pas­sage durch den Geburt­skanal der Mut­ter qua­si eine erste “Imp­fung” mit Keimen als Grund­lage zum Auf­bau sein­er eige­nen gesun­den Darm­flo­ra. Diese Entwick­lung ist in einem Alter von ca. 2 Jahren nahezu abgeschlossen. Jet­zt hat sich das Micro­biom im Ide­al­fall fast voll­ständig sta­bil­isiert.

Es bleibt bis zum Seniorenal­ter eigentlich nahezu unverän­dert, es sein denn äußere Umstände, Stress und medi­zinis­che Ein­griffe (wie z.B. Antibi­oti­ka) stören das labile Gle­ichgewicht im Darmin­neren. Dann kann es zu Verän­derun­gen kom­men, welche sich nicht von selb­st wieder „beheben“. Erst in der späten Leben­sphase verän­dert sich das Micro­biom sich wieder deut­lich­er in sein­er Zusam­menset­zung (z.B. pH-Wert ↑, Bifi­dobak­te­rien ↓).

Mögliche Symp­tome ein­er Darm­störung

  • Oft kein Gefühl in den Hän­den?
  • Schmerzen im Rück­en, Schenkeln und Schul­tern?
  • Bren­nen­des Gefühl im Magen?
  • Gewicht­sprob­leme (↓ und ↑)?
  • Spe­icheln im Schlaf?
  • Juck­reiz in Ohren, Nase oder im Bere­ich des Anus?
  • Vergesslichkeit oder kein klares Denken?
  • Lust­los, matt – ohne erkennbare Ursache?
  • Erhöhte Herzfre­quenz, Herz- oder Nabelschmerz?
  • Men­stru­a­tion­sprob­leme, Erek­tion­sprob­leme?

Die genan­nten Symp­tome kön­nen einzeln oder kom­biniert auftreten, und für jedes einzelne lassen sich mit Sicher­heit mehrere ander­sar­tige medi­zinis­che Begrün­dun­gen find­en. Der Darm muss also nicht die alleinige Ursache sein – dies sollte immer bedacht wer­den. Eine gute Anam­nese und aus­führliche Diag­nos­tik sind deswe­gen von immenser Bedeu­tung.

Den oben genan­nten Symp­tomen wird anfangs nicht die Bedeu­tung zugemessen, die sie ver­di­enen. Würde man bei ursäch­lichen Darm­störun­gen in ein­er recht frühen Phase ein­greifen, dann kön­nte dies sehr wahrschein­lich eine Ther­a­piev­ere­in­fachung bedeuten. Doch da viele Beschw­er­den nicht unbe­d­ingt im verur­sachen­den Darm lokalisiert sind und ein gestörtes Micro­biom erst sehr spät sich in Form hochgr­a­di­ger und akuter Beschw­er­den als zu behan­del­ndes Zielor­gan „out­et“, zie­len die meis­ten Ther­a­peuten erst ein­mal darauf ab, die Beschw­er­den des Patien­ten ein­er syp­tombe­zo­ge­nen Behand­lung unterziehen. So verge­ht einige Zeit und eine kausale Behand­lung find­et unter Umstän­den erst statt, wenn sich die vor­mals leicht­en Beschw­er­den zu echt­en Krankheit­en aus­gewach­sen haben. Es gilt, an den Ursachen anzuset­zen, welche ein Micro­biom zum Kip­pen brin­gen kön­nen oder gebracht haben. Und diese kön­nen in der Tat vielfältig sein.

Störfaktoren für das Microbiom

Stör­fak­toren von außen wie von innen kön­nen die Zusam­menset­zung der Micro­bio­ms empfind­lich verän­dern: Medika­mente, organ­is­che Defizite, Dar­mentzün­dun­gen und -infek­tio­nen, chemis­che Verbindun­gen, Gift­stoffe aus der Nahrung, hor­monelle Dys­bal­an­cen, falsche Ernährung, Schw­er­met­all­be­las­tun­gen, Nahrungsmit­telin­tol­er­anzen und natür­lich viele andere Fak­toren mehr kön­nen das geord­nete Miteinan­der der Mikroben im Darm mas­siv beein­trächti­gen und zu aus­geprägten Funk­tion­sstörun­gen und (chro­nis­chen) Darmkrankheit­en und Dar­mentzün­dun­gen führen. In aller Regel gewin­nen als­dann schädliche Darmkeime die Ober­hand und begin­nen ihr unheil­volles Wirken. Das Ergeb­nis sind Darmbeschw­er­den ver­schieden­ster Art – von ein­fachen Blähun­gen bis hin zu schw­eren chro­nis­chen — auch darm­fer­nen — Erkrankun­gen, wofür man nicht bed­ingt eine gekippte Darm­flo­ra als Ursache ver­ant­wortlich macht.

Am bekan­ntesten sind entzündliche Erkrankun­gen des Darms wie Col­i­tis ulcerosa, Mor­bus Crohn und Reiz­darm. Aber auch “darm­fremde” Krankheit­en wie Haut­prob­leme, (z.B. Neu­ro­der­mi­tis, Pso­ri­a­sis, Ekzeme u.a.m), psy­chis­che Ent­gleisun­gen ver­schieden­ster Arten, Sen­si­tiv­ität auf Umwelt­stoffe und Umwelt­gifte und organ­is­che Defizite (z.B. Leber­störun­gen, Erkrankun­gen der Bauch­spe­ichel­drüse), hor­monelle Dys­bal­an­cen und viele andere gesund­heitliche Schwierigkeit­en kön­nen mit ein­er gestörten Darm­funk­tion zusam­men­hän­gen. Nicht zu vergessen sind Schw­er­met­alle, welche auf zel­lulär­er Ebene Entzün­dun­gen aus­lösen kön­nen.

Ein Hauptfaktor: Stress

Stress jeglich­er Art kann das Micro­biom neg­a­tiv verän­dern – und nicht nur dieses. Stress verän­dert die Dicke der Schleimhaut des Darms und reduziert die Anzahl Schleim pro­duzieren­der Zellen im Darm sowie Milch­säure pro­duzieren­der Keime. Dadurch wer­den die Auf­nahme und auch Wan­derung tox­is­ch­er Stoffe und Mikroben durch die Darmwand in den Blut­strom ermöglicht. Dieser Prozess ist mit der Entste­hung von (niedrigschwelli­gen) Entzün­dun­gen im Darm verknüpft, welche im Darm lange Zeit kein Schmerzempfind­en her­vor­rufen. Doch diese niedrigschwelli­gen Entzün­dun­gen sind das Sys­tem eines: DAUERSTRESS. Und diesen muss er 24 Stun­den am Tag bekämpfen!

Der Organ­is­mus muss bei Stresszustän­den die Auss­chüt­tung von Hor­mo­nen anpassen, um sich “wehren” zu kön­nen und den Schaden möglichst zu min­imieren. Er steigert dazu die Auss­chüt­tung von Cor­ti­sol, dem bedeu­tend­sten Stresshormon des Organ­is­mus, was auch die Sekre­tion weit­er­er Stresshormone aus der Neben­niere nach sich zieht. Ist der Stress nur kurzzeit­ig, kann sich das Sys­tem von selb­st wieder ein­regeln, kon­tinuiert der Stress aber über län­gere Zeit, wird die Regelung des gesamten Hor­mon­sys­tems wahrschein­lich in Mitlei­den­schaft gezo­gen – und mit ihm die Befind­lichkeit des Betrof­fe­nen. Dann kön­nen beispiel­sweise die Geschlecht­shormone auf­fäl­lig wer­den, Gewicht und Blut­druck begin­nen eventuell ohne Änderung der Lebens- und Ernährungs­ge­wohn­heit­en anzusteigen, das Immun­sys­tem arbeit­et unter Umstän­den schlechter, die Haut kann schneller altern und Fal­ten entwick­eln und viele andere Symp­tome mehr kön­nen entste­hen. In die Kat­e­gorie ein­er erhöht­en Stress­be­las­tung gehören auch starke kör­per­liche (Dauer-)Belastungen. Es gibt immer wieder Fälle, in denen Patien­ten bericht­en, dass sie nach ein­er inten­siv­en kör­per­lichen Belas­tung nicht mehr “auf die Beine gekom­men” sind.

Stress, Schlaf, Psyche, Darm und der Botenstoff Serotonin

Welche Auswirkun­gen und Fol­geerkrankun­gen sel­ten mit dem Darm in Verbindung gebracht wer­den, ist das Erscheinen psy­chis­ch­er Störun­gen (Depres­sio­nen, Schiz­o­phre­nie, Autismus, ADHS, ADS u.a.m). Die Ursache liegt in vie­len Fällen in einem gestörten Micro­biom. Hängt die steigende Anzahl psy­chis­ch­er Erkrankun­gen eventuell mit dem all­ge­mein gestiege­nen Stress kör­per­lich­er und psy­chis­ch­er Art zusam­men, weil dies einen neg­a­tiv­en Ein­fluss auf die Boten­stoff­bil­dung zur Folge hat? Denkbar wäre es schon, denn es gibt klare Zusam­men­hänge.

Bei stark­er Stress­be­las­tung ist die erste Stufe eine Ver­min­derung der Anzahl der Darm­bak­te­rien, schleim­pro­duzieren­den Zellen und auch Milch­säure pro­duzieren­den Keime. Über die daraus entste­hen­den Schädi­gun­gen der Darm­schleimhaut entste­hen z.B. niedrigschwellige Entzün­dun­gen, auf welche der Organ­is­mus mit der Auss­chüt­tung von Sig­nal­stof­fen des Immun­sys­tems reagiert (z.B. Inter­fer­on-Gam­ma u.a.m.), welche das Enzym IDO (Indolamin-2,3-Dioxygenase) aktivieren, welch­es die Umwand­lung der essen­tiellen Aminosäure L-Tryp­to­phan in Sero­tonin her­ab­set­zt. Dies besitzt tragis­che Kon­se­quen­zen, denn Sero­tonin ist DER Boten­stoff des Gehirns, der eine aus­geglich­ene Psy­che ermöglicht und sta­bil­isiert. Sero­ton­in­man­gel bedeutet, in psy­chis­che Prob­leme abgleit­en zu kön­nen. Anstatt ein­er Umwand­lung in Sero­tonin wird L-Tryp­to­phan in Kynurenin umge­wan­delt, welch­es zu weit­eren Entzün­dun­gen führen kann. Aber der so ent­standene Sero­tonin-Man­gel beein­trächtigt eventuell neben der Psy­che auch den Schlaf, weil zu wenig Sero­tonin im Mela­tonin, dem Schlafhor­mon, ver­stof­fwech­selt wer­den kann. In diesem Fall besitzt auch eine Sub­sti­tu­ierung von L-Tryp­to­phan nur schlechte Erfol­gsaus­sicht­en – eben weil die Umwand­lung in das Glück­shormon Sero­tonin stark eingeschränkt ist.

Darmentzündungen

Entzün­dun­gen im Darm sind immer mit Tox­in­bil­dung ver­bun­den. Tox­ine, welche nicht direkt vom Darm aus­geschieden wer­den, müssen den Weg über die Leber gehen und stellen auf Dauer eine enorme Belas­tung dar. Schw­er­met­alle scheinen einen beson­deren Bezug zu Pilzen (Can­di­da) zu haben (diese kön­nen Schw­er­met­alle in sich aufnehmen und bei Zer­fall wieder freiset­zen!!!), aber sie stören auch die erste der bei­den Ent­gif­tungsphasen in der Leber, wodurch das Ent­gif­tungssys­tem der Leber an den Rand der Kapit­u­la­tion gedrängt wer­den kann. Die Leber als größtes Ent­gif­tung­sor­gan ist eventuell durch die bak­terielle Tox­in­be­las­tung und andere Stoffe schon aus­re­ichend belastet. Nun stößt sie auf­grund ein­er enor­men Tox­i­nan­flu­tung an ihre Gren­zen und lei­det still. Der Schrei der Leber nach Hil­fe ist die Müdigkeit. Dies ist nur ein Beispiel, wie die Noxe Darm Organ­funk­tio­nen und Kör­per­funk­tio­nen stören kann.

Organsysteme und Microbiom

Der Darm bee­in­flusst prak­tisch alle Kör­per­sys­teme und Kör­per­prozesse: z.B. Muskeln und Gelenke, Nieren, Gehirn, hor­monale Regelkreise, Blut­ge­fäße, Blut und Lym­phe, Leber, Galle und Pan­creas. Inter­es­san­ter­weise sendet der Darm das Gros an Infor­ma­tio­nen nach oben in Rich­tung Gehirn. Die “Masse” an Infor­ma­tio­nen wird nicht vom Gehirn zum Darm aus­ge­sandt, wie man meinen kön­nte. Ist der Darm in Unord­nung, gerät daher auch das Oben auch in Unord­nung und führt über eine neg­a­tive Beein­träch­ti­gung der Selb­streg­u­la­tion zu Beschw­er­den und gesund­heitlichen Störun­gen. Und diese beheben sich nur in den sel­tensten Fällen von selb­st.

In aller Regel erfol­gt auf­grund des Nichterken­nens der Ursache Darm­flo­ra eine Behand­lung gestörter Organe und Organ­funk­tio­nen mit­tels ver­schieden­er Medika­mente und Heilmit­tel, welche die Symp­tome lin­dern oder im besten Falle beseit­i­gen. Set­zt man die erfol­gre­iche Medika­tion wieder ab, kön­nen unter Umstän­den die alten Beschw­er­den schnell wieder erscheinen – ein Beweis dafür, dass wahrschein­lich nicht die Ursache ther­a­piert wurde. Eine ursäch­liche Ther­a­pie wäre eventuell eine Darm­sanierung – doch, soviel vor­weg, hier­für scheint die Gabe einiger pro­bi­o­tis­ch­er Keime oft nicht zu genü­gen.

Darmkeime — gute und schlechte

Es gibt „gute“ und „schlechte“ Keime im Darm. Durch ein sehr fein aus­tari­ertes Kon­troll­sys­tem ist es dem Organ­is­mus möglich, die für die Gesund­heit erforder­liche Bal­ance der ver­schiede­nen Keime untere­inan­der zu erhal­ten. Ver­dau­ung­sprob­leme, Antibi­oti­ka, eine ein­seit­ige Ernährung, Stress, Kon­takt mit Gift­stof­fen u.a.m. kön­nen das Milieu zum Neg­a­tiv­en hin verän­deren und erlauben eine Fehlbe­siedelung mit schlecht­en Keimen. Diese ver­suchen mit aller Macht, sich gegen die ange­bore­nen und erwor­be­nen Abwehrmech­a­nis­men des Organ­is­mus inner­halb des Dar­m­m­i­lieus zur Wehr zu set­zen und das eigene Über­leben zu sich­ern.

Im Micro­biom geht es zu wie in ein­er Großs­tadt. Es gibt die Guten und Schlecht­en, es gibt aber auch Keime welche erst durch ein schlecht­es Umfeld zu den Schlecht­en wer­den. Das Zusam­men­leben ist über klar definierte Mech­a­nis­men kon­trol­liert und  definiert, aber nicht immer siegen auch im Darm die Guten. Es ist ein immer­währen­des Hauen und Stechen. Im schlimm­sten Fall geht es so weit, dass das Sys­tem erkrankt (z.B. entzündliche Darmerkrankun­gen wie Col­i­tis ulcerosa, Mor­bus Crohn, Reiz­darm, Blähun­gen, hor­monelle Störun­gen u.a.m.) und sich am Ende selb­st zu Fall bringt, weil es unheil­bar erkrankt ist. Dies hat viel damit zu tun, dass viele Keime im Darm wehrhafte Genossen sind und ab einem bes­timmten Moment immun gegen Angriffe sein kön­nen.

Virulente Faktoren

Um ihr eigenes Über­leben zu sich­ern, bilden Dar­m­mikroben z.B. Enzyme im äußeren Rand ihrer Zell­hülle aus, welche die Abwehrstrate­gien des Organ­is­mus ins Leere laufen lassen. Um dies zu erre­ichen, “fressen” sie beispiel­sweise Eisen oder Zink, bilden Ammo­ni­ak (ist basisch) zur Auss­chal­tung der Säure­ab­wehr und inak­tivieren Wasser­stoff­per­ox­id oder Abwehrei­weiße. Diese fünf Abwehrtech­niken wer­den als Vir­u­lente Fak­toren beze­ich­net. Sie stellen eine Verkom­plizierung der Ther­a­pie dar und führen immer zu (niedrigschwelli­gen) Entzün­dun­gen im Darm (es muss kein Lei­dens­druck im Darm vorhan­den sein).

Der VF Gelati­nase z.B. entzieht dem Speise­brei Zink, wodurch sich die enge Verbindung der Dar­mzellen zueinan­der lock­ert, wodurch Darmkeime, kör­per­fremde Stoffe und Tox­ine leichter die Bar­riere Schleimhaut über­winden und den Weg ins Blut find­en (= leaky gut). Dies bedeutet für das men­schliche Immun­sys­tem Dauer­stress — und irgend­wann kann dies zu einem aus­geprägtem Ver­sagen führen. Betrof­fene wer­den dann von häu­fi­gen und wiederkehren­den Entzün­dun­gen heimge­sucht. Eine Verabre­ichung antibi­o­tis­ch­er Medika­mente ist dann oft notwendig und stoppt die Infek­tion, aber sie ther­a­piert nicht die mögliche Ursache Darm­störung.

Entzündungsparameter

Über das Entzün­dungssta­di­um, in dem sich der Betrof­fene aktuell befind­et, geben ver­schiedene Entzün­dungspa­ra­me­ter Auskun­ft. Diese steigen in entsprechen­den Phasen an und kön­nen sich bei ein­er Besserung der Ver­hält­nisse im Darm wieder nor­mal­isieren. Bleibt eine (niedrigschwellige) Entzün­dung jedoch beste­hen oder wird noch schlim­mer, kann es sein, dass sich ein Entzün­dungs­mark­er erschöpft und ein ander­er dessen Auf­gabe der Bekämp­fung der Entzün­dung übern­immt. Dann kann beispiel­sweise eine Entzün­dung in ein chro­nis­ches Sta­di­um überge­hen. Je nach­dem, welch­er Entzün­dungspa­ra­me­ter erhöht oder erniedrigt ist, kann man sagen, ob die Dar­mentzün­dun­gen am Anfang ste­hen oder in die Chro­niz­ität überge­hen / überge­gan­gen sind. Auch erlauben die Entün­dungswerde eine Inter­pre­ta­tion, ob die Schleimhaut des Darms gelit­ten hat. Über let­zten Punkt gibt beispiel­sweise ein erhöhter Alpha-1-Antit­rypsin-Wert Auskun­ft ( = leaky gut).

Leaky gut

Beim leaky gut sind die Dar­mzellen nicht mehr ganz eng miteinan­der ver­bun­den. Die diese verbinden­den Ele­mente, die tight junc­tions, kön­nen ihrer Funk­tion nicht mehr richtig nachkom­men und es entste­ht zwis­chen den einzel­nen Epithelzellen qua­si ein klein­er Zwis­chen­raum, welch­er Keimen, Tox­i­nen und anderen Stof­fen, die eigentlich nichts im Blut zu suchen haben, die Pas­sage ins Kör­perin­nere ermöglicht und das Immun­sys­tem alarmiert / aktiviert. Die Bar­ri­ere­funk­tion des Darms ist ver­loren gegan­gen und es rentste­hen gesund­heitliche Störun­gen. Der Kör­p­er ver­sucht, sich über Entzün­dungsreak­tio­nen und Antikör­per­pro­duk­tion dieser Stoffe und Prob­leme zu entledi­gen. Somit ist Allergien, Asth­ma (u.a. Neu­ro­der­mi­tis) und auch Autoim­munprozessen (Rheuma, Hashimo­to, Lupus, Pso­ri­a­sis, Vitili­go u.a.m.) Tür und Tor geöffnet. Im Blut­serum kann auch der Zonulin-Test einen Hin­weis auf ein leaky gut geben, denn er gibt Auskun­ft darüber, wie gut oder schlecht die tight junc­tions arbeit­en. Erhöht­es Alpha-1-Antit­rypsin ist eben­falls ein Zeichen für ein leaky gut, kann sich aber in einem späten Entzün­dungssta­di­um auf einen Normw­ert erschöpfen.

Histamin

Echerichia coli
Das Bak­teri­um Escherichia coli (E. coli) ist ein Keim, welch­er natür­licher­weise im men­schlichen Darm ange­siedelt ist. Er gehört zu den sauer­stof­fver­brauchen­den Keimen. Ist er in zu geringer Anzahl vorhan­den, kann das in ent­fer­n­teren Darmab­schnit­ten ein für das Milieu zu hohes und ungün­stiges Ange­bot an Sauer­stoff zur Folge haben. Ist seine Pop­u­la­tion über­mäßig ver­mehrt, kön­nen sich his­t­a­minähn­liche Symp­tome zeigen, denn E. coli gehört zu den His­t­a­min­pro­duzen­ten.

Viele Darmkeime, nicht nur die schlecht­en, pro­duzieren His­t­a­min, welch­es für viele Unverträglichkeit­sreak­tio­nen und aller­gis­che Beschw­er­den jeglich­er Art ver­ant­wortlich gemacht wird. His­t­a­minbe­d­ingte Symp­tome des Ver­dau­ungstrak­tes sind u.a.: Übelkeit, Bauch­schmerzen (auch krampfhaft), Blähun­gen, Durch­fall. Bleibt bei kon­se­quenter Durch­führung ein­er Nahrungsmit­telka­renz der in Frage kom­menden Lebens­mit­tel eine Verbesserung der Beschw­erdesymp­to­matik aus, sollte eine bak­teriell bed­ingte His­t­a­min­prob­lematik ins Auge gefasst wer­den. Ein sehr poten­ter His­t­a­min­liefer­ant ist z.B. Heli­cobac­ter pylori, welch­er sich gerne im Magen aufhält und sich über die Bil­dung von basis­chem Ammo­ni­ak vor der Magen­säure zu schützen weiß.

Medika­mente kön­nen eventuell dazu beitra­gen, das Milieu im Magen “Heli­cobac­ter-gerecht“ zu verän­dern. Dies sind vor allem Säure­block­er und Natri­umbi­car­bon­at. Magen­schleimhaut schützende Säure­block­er soll­ten nur nach sorgfältiger Diag­nose einge­set­zt wer­den, denn sie greifen durch eine ver­min­derte Magen­säure­freiset­zung mas­siv in die Regelung viel­er Ver­dau­ungsmech­a­nis­men ein. Dies bet­rifft nicht nur Ver­dau­ung­sprozesse im Magen son­dern auch die Ver­stof­fwech­selung und Tox­in­pro­duk­tion in ferneren Darmab­schnit­ten. Gle­ich­es gilt für eine orale Gabe von Natri­umbi­car­bon­at, denn auch dieses führt zu ein­er ähn­lichen Verän­derung in der Regelung fein aufeinan­der abges­timmter Ver­dau­ung­sprozesse — im Magen wie Darm. Weit­er gibt es Lebens­mit­tel und Medika­mente, welche His­t­a­min freiset­zen.

Problem Biofilm

Bei ein­er Darm­sanierung ist es meist nicht damit getan, gute Darmkeime über eine gewisse Zeit einzunehmen, denn schlechte Darm­bak­te­rien bedi­enen sich eines weit­eren beson­deren Kniffs, um den Erhalt ihrer Pop­u­la­tion zu sich­ern. Sie bilden um sich herum eine schützende Schleim­schicht aus, in der sie so sich­er sind wie der Rit­ter in sein­er Burg. In diesen Schutz­man­tel (extrazel­luläre Matrix oder Gly­co­ca­lyx) nehmen sie andere Mikroben auf und “impfen” diese genetisch mit ihrem erfol­gre­ichem Abwehrver­hal­ten, sodass diese gän­zlich andere Eigen­schaften entwick­eln als ihre “freileben­den“ Artgenossen.

Die Keime unter einem Biofilm sind wider­stands­fähiger, ver­mehren sich etwas langsamer und entwick­eln Stresstol­er­anzmech­a­nis­men gegen für sie tox­is­che Sub­stanzen und auch Antibi­oti­ka, welche in den Biofilm ein­drin­gen. Über die Aus­bil­dung dieser soge­nan­nten vir­u­len­ten Fak­toren entziehen sie sich den erwor­be­nen und ange­bore­nen Abwehrmech­a­nis­men, indem sie spezielle Abwehren­zyme aus­bilden. Da Mikroor­gan­is­men schnell eine neue Gen­er­a­tion entwick­eln, ist es schwierig ein “falsch pro­gram­miertes“ Micro­biom nur durch den Ein­satz von Antibi­oti­ka und pro­bi­o­tis­chen Stäm­men zu verbessern und sta­bil­isieren.

Pro­bi­oti­ka erzie­len aus diesem Grund bei Darm­sanierun­gen anfangs eine Verbesserung (solange sie ein­genom­men wer­den und kurze Zeit darüber hin­aus), aber auf Dauer nicht unbe­d­ingt den durch­schla­gen­den Erfolg, eben weil diese “Brandnester“ mit ihren vir­u­len­ten Fak­toren nicht aus­radiert wer­den kön­nen. Wird die Ein­nahme der Pro­bi­oti­ka ohne Eradika­tion der Nester eingestellt, kann sich das alte Milieu wieder ein­stellen und das Micro­biom wieder kip­pen.

Durchführung Darmsanierung

Obige Zeilen lassen erah­nen, dass eine Darm­sanierung mit Ein­nahme einiger Pack­un­gen pro­bi­o­tis­ch­er Keime nicht unbe­d­ingt zum Erfolg führt. Zwin­gend notwendig ist eine Verän­derung des Milieus im Darm, was neben der Eradika­tion der (vir­u­len­ten) Keime auch eine gesunde Ernährung mit ein­schließt. Ein guter pH-Wert im Darm ist maßge­blich ver­ant­wortlich für die Zusam­menset­zung des Micro­bio­ms und dessen Gesun­dung.

Die eigentliche Ther­a­pie ein­er Darm­sanierung nach voraus­ge­gan­genen Diag­nosetests kann beispiel­sweise so umris­sen wer­den:

 

Phase I Grun­dreg­u­la­tion: Organ­is­mus fördern, Dauer ca.7 KW (Kalen­der­wochen).
Phase II Analyse ver­schieden­er Stof­fwech­sel­pa­ra­me­ter und deren Reg­u­la­tion, Dauer ca. 7 KW
Phase III Vor­bere­itung der eigentlichen Darm­sanierung Dauer: ca. 2KW
Phase IV Eradika­tion der Fehlbe­siedelung, Dauer ca. 2 KW
Phase V Rekoloni­sa­tion­sphase, Dauer ca. 2 KW
Phase VI Immu­nität­strain­ing, Dauer ca. 4 KW
Phase VII Sta­bil­isierungsphase, Dauer ca. 6 KW

Dazwis­chen: Erfol­gskon­trolle wichtiger Ther­a­pieab­schnitte wird mit einem Kon­troll­test.

Die angegebe­nen Zeitspan­nen pro Behand­lungsphase sind nur unge­fähre Angaben. Die einzel­nen Phasen gehen teil­weise ineinan­der über.

Wichtig ist, vor dem Start der Aus­rot­tung der schlecht­en Keime die Auss­chei­dung­sor­gane in ihrer Funk­tion zu stärken, denn bei der Darm­sanierung fall­en durch die Zer­störung schlechter Keime zusät­zlich Tox­ine an, welche den Organ­is­mus über­fordern und zu Heilkrisen führen kön­nen.

Danach begin­nt die Phase, in der sich der Betrof­fene weit­er um seine Gesund­heit­szen­trale Darm küm­mern sollte. Dies schließt eine Verän­derung aller oben aufge­führter darm­schädi­gen­der Fak­toren mit ein. Diese Auf­gabe umfasst schlicht und ergreifend: Lifestile-Änderung — in jed­er Beziehung.

 

 Gesund ist man erst, wenn man wieder tun darf, was einem schadet.

Karl Kraus